LA GIOIA ASCONA

CHRISTO DAGOROV

CHRISTO DAGOROV

Wo Sehen unsicher wird, öffnet sich das Bild

Die Arbeit Christo Dagorovs basiert auf der Täuschbarkeit der Wahrnehmung. In seinen Bildern wird sichtbar, wie instabil das ist, was als Form zunächst eindeutig erscheint.

Das rein Abbildhafte genügte dem Künstler nicht. Ausgehend vom Hyperrealismus begann Dagorov, Motive zu überlagern, zu verschieben und miteinander zu verschmelzen. Das Bild wird dabei zum Experimentierfeld, in dem Wahrnehmung nicht bestätigt, sondern herausgefordert wird. Im Kontext der Versöhnung malt Christo Dagorov seine Werke und wählt bewusst Motive die den Betrachter durch Ihre Tiefe und scheinbare Unmöglichkeit in Ihren Bann ziehen. 

 

Das Konzept von Michael Sazarin besteht in seiner absoluten konzeptionellen Freiheit.

Er beginnt seine Arbeit bewusst ohne vorangehende Planung. Zu den Strukturen findet Sazarin während des laufenden Prozesses. So kommt es vor, dass er sich selbst immer wieder überrascht. Der Künstler verliert und findet sich in Farben, Formen und Flächen, die scheinbar zufällig vor ihm entstehen. Wiederholt hat er betont, nicht etwa zu malen, sondern viel eher „gemalt zu werden“: „Es“ male. Jeder Betrachter spiegele sich am Ende höhst individuell in einem Motiv – und sehe dabei stets das, was er selbst in sich trage.

Sazarin bezieht den Zufall mit ein, um ihn zu steuern. Gleichsam als sein wichtigster Assistent dient ihm der Zufall als Ratgeber, als Impuls und Vision zugleich. Das Bild ist frei wie die Musik und hat den Kopf schon überwunden, während dieser noch nach Begriffen sucht.

Dagorovs Arbeiten zeigen keine abgeschlossenen Aussagen – im Gegenteil: Sie entfalten sich in Stufen. Das Motiv erscheint, irritiert und entzieht sich schließlich einer eindeutigen Lesart. Sehen wird hier zu einem Prozess, nicht zu einem Ergebnis.

Zeichnung bildet das strukturelle Zentrum seines Werks. Linie, Gravur und Einschreibung sind für Dagorov keine Vorstufen, sondern tragende Elemente. Historische Techniken und zeitgenössische Verfahren begegnen sich ohne Hierarchie – von handgravierten Metallplatten bis zu pointillistischen Farbsetzungen mit reduzierter Palette.

Der Künstler verweigert sich festen stilistischen Zuordnungen. Seine Bildsprache speist sich aus Malerei, Zeichnung, Fotografie und filmischer Wahrnehmung, ohne sich einer codifizierten Bewegung zu unterwerfen. Akademische Systeme bleiben dabei bewusst außen vor.

In Dagorovs Bildwelten beginnen Körper ihre festen Zustände zu verlassen. Menschliches wird tierisch, Pflanzliches belebt sich, das Unbelebte gewinnt organische Präsenz. Form ist hier kein Endpunkt, sondern ein Übergang.

Was bleibt, ist ein Bild, das sich nicht festschreiben lässt. Ein Sehen, das in Bewegung gehalten wird. Und eine Bildwelt, die nicht erklärt, sondern offen lässt – und gerade dadurch wirksam wird.

CHRISTO DAGOROV

Vita

1970 in Sofia, Bulgarien geboren
1977 Übersiedlung in die Schweiz
ab 1977 Aufbau des ersten Ateliers in der Schweiz
frühe Arbeiten: hyperrealistische Malerei
Entwicklung einer pointillistischen Technik
experimentelle Arbeiten mit handgravierten Metallplatten
lebt und arbeitet in der Schweiz

CHRISTO DAGOROV

Projekte

Atoms // Decay // Elements // Hands // Colours // Lips // Plans // Reflections // Sketches // Skylines // Trinodis // White Room

CHRISTO DAGOROV

Showroom

Zwischen Erkennen und Verfehlen formt sich das Bild.

Wahrnehmung ist für Christo Dagorov kein verlässliches Instrument. Seine Arbeiten setzen dort an, wo das Sehen beginnt, sich selbst zu misstrauen. Formen erscheinen präzise und kontrolliert, nur um sich im nächsten Moment ihrer Eindeutigkeit zu entziehen. Das Bild ist kein Abschluss, sondern ein Zustand, der sich im Blick des Betrachters fortsetzt und verschiebt.

Ausgehend von einer streng hyperrealistischen Malweise begann Dagorov früh, die Grenzen des rein Abbildhaften zu hinterfragen. Die exakte Wiedergabe verlor für ihn an Bedeutung zugunsten eines komplexeren Bildraums, in dem sich Objekte, Körper und Strukturen überlagern. Diese Verdichtungen erzeugen eine visuelle Spannung, die an ein bewusst gesteigertes Zuviel erinnert – ein kontrolliertes horror vacui, in dem das Auge keinen festen Ruhepunkt findet.

Dagorovs Arbeiten entwickeln sich in Stufen. Das zunächst erkennbare Motiv wird durch die natürliche Täuschbarkeit der Wahrnehmung transformiert. Die Form durchläuft mehrere Erscheinungszustände: vom scheinbar Vertrauten über die Irritation bis hin zu einer Andeutung dessen, was sich nicht mehr eindeutig benennen lässt. Wahrnehmung wird so zum eigentlichen Thema des Bildes, nicht dessen dargestellter Gegenstand.

Zentral für Dagorovs Werk ist die Zeichnung. Sie bildet das strukturelle Fundament seiner künstlerischen Praxis. Linie, Gravur und Einschreibung sind keine vorbereitenden Mittel, sondern eigenständige Ausdrucksformen. Die Primärstellung der Zeichnung verbindet ihn mit historischen Auffassungen von linearer Malerei, ohne dass sich daraus eine akademische Haltung ableiten ließe. Vielmehr entsteht aus der Wiederholung und Verdichtung der Linie eine intuitive Sicherheit, die seine ästhetischen Entscheidungen lenkt.

In seinen experimentellen Arbeiten erweitert Dagorov das klassische Medium der Zeichnung um handwerkliche Verfahren. Die Gravur von Chrom-Nickel-Stahlplatten mit zahnmedizinischen Werkzeugen verweist auf eine physische Einschreibung von Form, die sich bewusst von virtuellen oder reproduzierbaren Bildprozessen absetzt. Auch in der Malerei entwickelte Dagorov eine reduzierte, streng kontrollierte Farbpalette, die sich aus wenigen Grundfarben speist und durch punktuelle Setzungen eine eigentümliche Tiefe erzeugt.

Dagorov ordnet sich keiner kodifizierten Stilrichtung unter. Seine Bildsprache entsteht aus der Assimilation unterschiedlicher historischer und zeitgenössischer Techniken, ohne sich deren Regeln zu unterwerfen. Aspekte der Fotografie, des Kinos und der Wahrnehmungspsychologie fließen ein, bleiben jedoch stets dem Bild untergeordnet. Die akademische Kategorisierung verliert hier ihre Funktion zugunsten einer produktiven Offenheit.

Inhaltlich kreisen Dagorovs Arbeiten um Transformation. Menschliche Körper gehen in tierische oder pflanzliche Formen über, das Unbelebte nimmt organische Züge an. Diese Übergänge sind nicht metaphorisch gemeint, sondern folgen einer inneren Logik des Sehens. Das Bild wird zum Ort, an dem Natur, Körper und Objekt ihre festen Zuschreibungen verlieren und in neue Zusammenhänge treten.

Charakteristisch ist dabei die emotionale Ambivalenz seiner Motive. Staunen, Irritation und eine leise Beklemmung stehen nebeneinander, ohne sich gegenseitig aufzulösen. Die dargestellten Figuren und Formen wirken oft wie in einem Moment des Innehaltens gefangen – zwischen Bewegung und Stillstand, zwischen Erkennen und Verfehlen. Diese Spannung verleiht den Arbeiten eine stille Intensität, die sich erst im längeren Betrachten entfaltet.

Dagorovs Bildräume sind häufig auf helle, reduzierte Hintergründe konzentriert. Perspektiven werden zentral geführt, ohne dramatisches Chiaroscuro. Der Fokus liegt auf Gesten, Blicken und formalen Verschiebungen, die die Ordnung der Komposition unterlaufen. Auch hier zeigt sich sein Interesse an der Instabilität des Sehens: Das Bild bleibt offen, beweglich und mehrdeutig.

So entsteht ein Werk, das sich nicht erschöpft. Dagorovs Arbeiten bieten keine Lösungen, sondern halten Wahrnehmung in Schwebe. Sie fordern den Blick heraus, ohne ihn zu lenken, und eröffnen Bildräume, in denen sich Realität und Imagination nicht trennen lassen. Das Bild wird zum Ort der Erfahrung – nicht als Erklärung, sondern als fortdauernder Prozess des Sehens.

Ich versuche, so wenig wie möglich von außen in ein Bild hineinzutragen. Mich interessiert nicht das Geplante, sondern das, was sich im Moment ergibt. Ich reagiere auf Strukturen, auf Widerstände, auf das, was sich zeigt, ohne sich erklären zu wollen. Sie sind Orientierungspunkte, keine Vorgaben. Entlang dieser Punkte bewege ich mich tastend in eine Bildwelt hinein, die mir selbst fremd bleibt und mich überrascht.

Wo der Blick keinen Halt mehr findet, wo sich Oben und Unten auflösen, wo Anfang und Ende ihre Bedeutung verlieren, beginnt für mich das eigentliche Bild. Dort, wo nichts festgelegt scheint und dennoch etwas entsteht. Nicht als Abbild von etwas Äußerem, sondern als etwas Eigenständiges, das sich aus sich selbst heraus trägt. In diesem Schwebezustand verliert das Bild seinen Zweck und gewinnt seine Freiheit.

Ich suche Bildereignisse, die sich nicht verbrauchen. Bilder, die nicht auf eine Lösung hinauslaufen, sondern offen bleiben. Je weniger ich versuche zu kontrollieren, desto dichter wird das, was entsteht. Orientierung ergibt sich nicht aus Planung, sondern aus dem Rhythmus der Arbeit, aus Wiederholung, Irritation und dem bewussten Zulassen von Unsicherheit.

Der Prozess folgt keinem linearen Willen. Er löst sich von Absicht und Erwartung. Entscheidungen entstehen im Tun und verlieren im gleichen Moment ihre Wichtigkeit. Das Bild entwickelt seinen eigenen Takt, seinen eigenen Druck. Ich begleite diesen Zustand, ohne ihn festzuschreiben. Wo Kontrolle endet, beginnt Bewegung.

Ein gelungenes Bild weiß nichts von sich selbst. Es erklärt sich nicht und verlangt keine Deutung. Gerade darin liegt seine Stärke. Es ist nicht Ergebnis, sondern Zustand. Ein Bild von nichts – und genau dadurch von allem, was sich dem Blick nicht sofort erschließt.

Der Betrachter ist eingeladen, sich diesem Zustand auszusetzen. Nicht, um etwas zu erkennen, sondern um etwas zu erleben. Das Eigene darf auftauchen, das Fremde bleiben. Ich bestätige nichts und schließe nichts aus. Meine Arbeiten wollen nicht erklären, sondern Raum lassen – für Zweifel, Verschiebung und neue Wahrnehmung.

Kostenloses Wochenende

Beim Kauf eines Trau- oder Verlobungsringes




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